Digital Out of Home ist eine der wachstumsstärksten Mediengattungen – in der Hochschulausbildung aber kaum präsent. IDOOH und Macromedia möchten das ändern und haben eine Kooperation ins Leben gerufen, die DOOH gezielt in die Lehre bringt. Frank Goldberg, Managing Director IDOOH, und Mohamed Badr, Dean of Studies, Macromedia University for Applied Sciences, erklären, was dahintersteckt.
Herr Badr, Herr Goldberg, die Kooperation zwischen dem IDOOH und der Macromedia ist eine der ersten ihrer Art im DOOH-Bereich in Deutschland. Was gab den Anstoß dafür?
Badr: Die Kooperation basiert auf einem gemeinsamen Verständnis von praxisorientierter Lehre und dem Anspruch, aktuelle Medienentwicklungen für Studierende sichtbar und verständlich zu machen. Mit dem IDOOH haben wir einen Partner gefunden, der den DOOH-Markt auf hohem fachlichen Niveau repräsentiert und aktiv zur Gestaltung und Vermittlung des Mediums beiträgt.
Goldberg: Wir haben zeitgleich einen klaren Bedarf erkannt: Unsere Mitgliedsunternehmen suchen dringend junge Talente, die sich mit digitalen Medien, Programmatic Advertising und modernen Kommunikationsformen auskennen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass diese Inhalte in vielen Studiengängen nicht ausreichend verankert sind. Eine Studentin hatte zum Beispiel berichtet, dass Themen wie DOOH an ihrer Hochschule kaum eine Rolle spielen, während Social Media stark im Fokus steht. Das war für uns ein klares Signal.

DOOH wird oft als klassisches Außenwerbemedium wahrgenommen. Wie erleben Sie das – und was macht das Medium heute aus?
Goldberg: Genau das ist der Punkt: DOOH ist längst ein eigenständiges, datengetriebenes und programmatisches Reichweitenmedium – und damit viel mehr als klassische Außenwerbung! In einer Zeit zunehmender Fragmentierung gibt es nur noch wenige Kanäle, die große Reichweiten effizient bündeln können. Klassische Medien wie Print oder TV verlieren, während DOOH stabil bleibt oder sogar wächst. Es verbindet klassische Reichweite mit digitaler Präzision.
Badr: Mich fasziniert an DOOH seine Dynamik an der Schnittstelle von Kreativität, Daten, Technologie und öffentlichem Raum. Im Gegensatz zu traditionellen Medienformaten ist DOOH stark kontextbezogen und entwickelt sich durch die Digitalisierung und die datenbasierte Aussteuerung kontinuierlich weiter. Für Studierende ist es damit ein ideales Medium, um zu verstehen, wie moderne Mediaplanung, Storytelling und Technologie zusammenwirken.
„Die Studierenden profitieren auf mehreren Ebenen“
Welche konkreten Vorteile entstehen durch die Kooperation – für die Branche, aber auch für die Studierenden?
Badr: Die Studierenden erhalten neben dem direkten Zugang zu Branchenwissen und realen Cases auch Einblicke in das gesamte DOOH-Ökosystem, das im IDOOH-Netzwerk abgebildet ist. Dadurch gewinnen sie wertvolle Perspektiven auf unterschiedliche Rollen und Karrierewege. Gleichzeitig entstehen praxisorientierte Lehrformate wie Gastvorträge, Fallstudien und projektbasierte Aufgaben, die reale Herausforderungen der Branche abbilden.
Goldberg: Die Studierenden profitieren auf mehreren Ebenen: Sie lernen das Medium im Studium systematisch kennen, können in Praktika praktische Erfahrungen sammeln, und es eröffnen sich ihnen konkrete Jobperspektiven über unser Netzwerk aus Agenturen, Vermarktern, Kreativunternehmen und Tech-Partnern. Und die Branche sucht händeringend nach gut ausgebildeten Leuten. Am Ende ist es eine Win-win-Situation: Studierende erhalten Zugang zu Wissen, Netzwerken und Jobmöglichkeiten – und wir gewinnen besser vorbereitete Nachwuchskräfte.
Wie wird DOOH im Studienalltag konkret erlebbar gemacht?
Badr: Durch Beispiele, reale Kampagnen und anwendungsbezogene Projekte. Studierende analysieren Live-Cases, arbeiten mit authentischen Briefings und diskutieren strategische Entscheidungen auf Basis realer Marktbedingungen. Wo möglich, wird das Medium auch in seinen physischen Kontext eingebettet – dadurch verstehen Studierende nicht nur digitale Mechanismen, sondern auch die räumliche Wirkung und die Rolle von DOOH im urbanen Medienumfeld.
Goldberg: Wir greifen nicht direkt in das Curriculum der Macromedia ein, sondern beraten, geben Impulse und stellen Praxiswissen zur Verfügung. Das IDOOH ist eher da, um hier zu vernetzen und die Akteure zusammenzubringen. Wir testen, welche Formate wirklich funktionieren. Erste Projekte sind bereits als benotete Semesterarbeiten in die Lehre eingeflossen – übrigens mit tollen Ergebnissen.

„Der Ansatz ist sehr motivierend“
Gibt es schon erstes Feedback, wie die Kooperation bei den Studierenden ankommt?
Badr: Das Feedback ist sehr positiv. Die Studierenden schätzen vor allem den direkten Bezug zur Berufspraxis und die Möglichkeit, an realen Themen und Herausforderungen zu arbeiten. Viele empfinden diesen Ansatz als sehr motivierend, da er ihnen hilft, mögliche Karrierewege und die praktische Relevanz ihres Studiums besser zu verstehen.
Goldberg: Das erleben wir genauso. Unsere Aufgabe als Organisation ist es, diesen Austausch zu ermöglichen – nicht nur über Inhalte. Wir organisieren Veranstaltungen, geben Einblicke in reale Cases und diskutieren gemeinsam die Projekte.
Wohin entwickelt sich die Kooperation in den kommenden Semestern?
Goldberg: Wir starten gerade in eine Phase mit mehreren spezialisierteren Themen – darunter Mediaplanung für DOOH, nachhaltige Kampagnen und Social Responsibility im öffentlichen Raum. Darüber hinaus denken wir bereits weiter: Ziel ist es, stärker integrierte Kampagnen zu entwickeln, die DOOH mit anderen Medienkanälen wie Social Media oder Connected TV verbinden. Die Zukunft liegt ja nicht in Silos, sondern in der intelligenten Verknüpfung von Medien.
Badr: Dieser Praxisbezug ist essenziell, insbesondere in einer sich ständig wandelnden Medienbranche. Kooperationen wie diese helfen sicherzustellen, dass die Absolventinnen und Absolventen anpassungsfähig und branchenbewusst sind und akademische Erkenntnisse vom ersten Tag an in die Praxis übertragen können.
Was wünschen Sie sich langfristig von dieser Partnerschaft?
Goldberg: Einen nachhaltigen Austausch zwischen Ausbildung und Praxis, der die Branche langfristig stärkt und Studierenden echte Perspektiven bietet. Wir brauchen junge Menschen, die neue Ideen mitbringen, Technologien kombinieren und keine Angst vor Experimenten haben – Innovation entsteht durch neue Perspektiven, und genau diese bringen Studierende mit.
Badr: Was hier entsteht, ist mehr als ein Lehrprojekt. Es ist ein Modell dafür, wie akademische Ausbildung und Branche gemeinsam die Zukunft gestalten können – zum Vorteil beider Seiten.